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25 Jahre Haus10

Rasant durch die Kunstszene

Die Kulturwerkstatt Haus10 in Fürstenfeld feiert ihr 25-jähriges Bestehen

Als „Glücksfall“ bezeichnete die Kulturjournalistin und BR-Russlandexpertin Christine Hamel die Kulturwerkstatt Haus 10. In dem ihr eigenen poetischen Sprachduktus formuliert sie das so: „Ein Gebäude wurde entliehen von der Kunst, verwandelt und dadurch geöffnet für eine neue Wahrnehmung. … Die Brucker Kulturwerkstatt Haus 10 bringt sich durch öffentliches Nachdenken, durch Aktionen und Ausstellungen in die gesellschaftlichen Prozesse der Kreisstadt ein. Das Besondere an dieser Entwicklung war zweifellos, dass innerhalb kurzer die Brucker Kunstszene ihr Experimentierfeld ungeheuer erweitert und sich in rasendem Tempo entwickelt.“ Geschrieben wurden diese Zeilen immerhin bereits 1994, die Kulturwerkstatt war damals gerade mal 3 Jahre jung, jetzt kann sie ihr 25-jähriges Bestehen feiern.

Am 22 Februar 1991 feierlich eröffnet, begann die Vorgeschichte 1979. Damals kaufte die Stadt Fürstenfeldbruck das Klosterareal mit den Wirtschaftsgebäuden vom Wittelsbacher Ausgleichsfonds. Die auf diesem Gelände geplante Stadthalle wurde aus Kostengründen nicht gebaut. So fand die Idee von Eric Jäger, die vorhandenen Gebäude für die Kulturschaffenden und Kulturinteressierten zu nutzen, sehr schnell Anhänger und Mitstreiter. Aus der Künstlervereinigung Fürstenfeldbruck waren dies vor allem der Vorsitzende Alto Fertl, der Bildhauer und Maler Gerhard Gerstberger, die Bildhauerin Hilde Seyboth und der Bildhauer Andreas Sobeck. Getragen wurde die Kulturwerkstatt zu gleichen Teilen von der Brucker Künstlervereinigung und von der Interessengemeinschaft (IG) Kultur, die mit einem Gremium – Organisationsausschuss genannt, heute in ArGe (Arbeitsgemeinschaft) Haus 10 umbenannt – die Geschicke der Kulturinstitution und ihr Konzept leiten.

Eine ungeheure Euphorie hatte die Kulturschaffenden des Landkreises damals erfasst. Das spiegelt sich in den Worten des Kunstmalers und maßgeblichen Repräsentanten der zeitgenössischen Kunst im Landkreis, Stefan Wehmeiers wieder. Er spricht von einem weißen Fleck auf der Landkarte, einem Stück Landschaft ohne ausgeprägte künstlerische Präsenz – und meint damit die Zeit vor der Kulturwerkstatt

Als Meilenstein nicht nur für die Entwicklung der Kulturwerkstatt, sondern für die Entwicklung des ganzen Klosterareals Fürstenfeld, erwies sich das Jahr 1993. Zum 100. Jubiläum, der Stadtwerke initiierte Andreas Sobeck die Ausstellung »Amper/E«, die das gesamte Klostergelände einbezog und die Energien freisetzte für eine Erweiterung des Kulturwerkstattkonzeptes. Erstmalig bespielte die Kunst die noch unrenovierten Räume von HAUS 11 und 12 – der Anstoß für die Einrichtung einer Bildhauerwerkstatt. Die Druckwerkstatt, gefördert durch das Bayerische Kultusministerium, wurde eröffnet. Ebenfalls in diesem Jahr veranstaltete der Organisationsausschuss HAUS 10, zusammen mit dem Kulturverein FreiRaum Eichenau, über vier Tage ein äußerst erfolgreiches „Klosterfest“. Daraus folgten die K(l)ost(er)proben in HAUS 11 von der Interessengemeinschaft Kultur, vor allem von derem Vorsitzenden Dr. Bruno Bader und von Monika Pfefferkorn organisiert.

Heute ist das Haus 10 eine etablierte und weit über die Landkreisgrenzen hinaus etablierte Kulturinstitution. In der Regel 12 Ausstellungen pro Jahr werden durchgeführt, Poetry Slam, Lesungen, sowie kleinere Konzerte mit zeitgenössischer Musik gehören ebenfalls zum kulturellen Angebot. Fortlaufende Kurse und Workshops stehen darüber hinaus jedermann offen, um in der Druck-, Bildhauer- oder Malwerkstatt selbst kreatives Potential zu entfalten (Informationen unter http://www.kulturwerkstatthaus10.de/werkstaetten_H10.htm).

 

Das 25-jährige Haus10-Jubiläum wird vom 3. Juni bis 3. Juli gefeiert. Höhepunkte sind drei Ausstellungen: die Dokumentation „25 Jahre Kulturwerkstatt HAUS 10“  (3.Juni, 19.30 Uhr), die Themen-Ausstellung „Kunst.Heimat“ der Brucker Künstlervereinigung (Eröffnung 17. Juli, 19.30 Uhr) und das Bildhauer-Symposium STADTKUNSTLAND am 25. Juni (16 Uhr). Außerdem gibt es am 4. Juni ein Grillfest (ab 16 Uhr), ein Werkstattkonzert am 5. Juni (18 Uhr) mit Oliver Klenk (Klarinette) und Kai Wangler (Akkordeon) und am 24. Juni (20 Uhr) eine Lesung aus „Alte Meister“ (Thomas Bernhard) durch den Schauspieler und Fotokünstler Stefan Hunstein.

Johannes Simon

Mehr Informationen unter www.gustl-magazin.de