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Heinz Langmann und seine Pferde

PFERDE IM HERZEN

Der ehemalige Gestütsleiter am Schloss Nannhofen und sein Traum von der eigenen Zucht

Sein Arbeitstag beginnt mit dem Knopfdruck auf den Lichtschalter. Morgens um 6 Uhr. Hell flammen sofort die Lampen im Stall auf. Und noch bevor sich seine Augen an die Helligkeit gewöhnen, begrüßt ihn schon das Scharren von Hufen und das Schnauben von Nüstern. Dann taucht er ein, in die laue Luft, die gesättigt ist vom Duft des Heus und der Pferde. Heinz Langmann nimmt ihn bewusst kaum wahr. Der Geruch ist sein täglicher Begleiter, am Tag und zuweilen auch in der Nacht. Denn seit über 50 Jahren ist das ehemalige Gestüt neben dem Schloss Nannhofen „sein Platz.“

Pferde liegen ihm im Blut. Ihm und seinen Vorfahren. Schon der Urgroßvater war Mitarbeiter im österreichischen Lipizzaner-Gestüt in Piber. Dann der Großvater. Sein eigener Vater kam Mitte der 60er-Jahre als Leiter zum Trakehner- Gestüt der Baronin von Lotzbeck nach Nannhofen. „Nie hat sich bei mir je die Frage gestellt, etwas anderes als mit Pferden zu machen“, sagt Heinz Langmann. In Nannhofen machte er deshalb auch seine Lehre und später die Ausbildung zum Pferdewirtschaftsmeister. 1992 übernahm der damals 30-Jährige vom Nachfolger seines Vaters die Leitung der weltweit hoch angesehenen Trakehner- Pferdezucht.

Eine anstrengende, aber schöne Arbeit. Bis zu 70 Pferde galt es zu versorgen: Ställe sauber halten, Tiere beobachten, versorgen, Hilfestellung geben, wenn der Tierarzt da ist oder der Hufschmied. Zäune ziehen oder richten, die Weide pflegen, Heu mähen und das Stroh einfahren. Und natürlich „die Produktion“, also die Zucht der kraftvollen, eleganten Tiere. Die Schwangerschaften, Geburten (auch, wenn sie meist nachts stattfanden), Pflege der Stuten und das Hegen der Kleinen sowie das Zureiten „waren alles Highlights“, sagt Heinz Langmann, schwelgend in den Erinnerungen vergangener Tage.

Denn 2009 wurde nach über 50 Jahren das Gestüt mit dem Tod der Baronin Gertrud von Lotzbeck aufgegeben. Weil ein Wechsel zu einem anderen Zuchtbetrieb für Langmann nicht in Frage kam, pachtete er noch im gleichen Jahr die Anlage und eröffnete eine Reitschule und einen Mietstall. 20 Pferde hat er jetzt. Neun gehören ihm, elf werden von anderen Besitzern in den Ställen eingestellt. Frisch gefegt ist hier der Boden, ordentlich Sattel- und Zaumzeug aufgeräumt. Zusammen mit seiner Frau Dragica, die gerade eine Ausbildung zur Erlebnisbäuerin macht, bewirtschaftet der drahtige Mann den Hof. Seine Frau, ausgebildete Yoga-Lehrerin, unterrichtet auch die jüngsten Reitschüler und unterstützt sie mit Yogaübungen und Meditation. Die älteren (ab elf Jahren) unterrichten Heinz Langsmann und seine Tochter Mara in ihrer Freizeit. Seine drei Kinder gehen ja anderen Berufen nach. „Denn Geld verdienen kann man besser wo anders“, sagt Heinz Langmann.

Prüfend schweift sein Blick in der Früh über die Boxen. Alle Tiere stehen. Neugierig von den Pferden beäugt, beginnt Heinz Langmann das Heu zu verteilen. Danach kommt das Kraftfutter, dann mistet er aus und ebnet die große Reithalle. Ab 14.30 Uhr kommen die Schüler. „Die Nachfrage ist ohne Ende“, stöhnt er und ist auch ein bisschen stolz. Weil die letzten Schüler erst am Abend gehen, bleibt dem leidenschaftlichen Pferdewirtschaftsmeister kaum Zeit, seinen herrlichen Garten mit den alten Obstbäumen und dem Blick auf die Kirche und das verwaiste Schloss zu genießen. Denn es ist spät, wenn Heinz Langmann noch einmal in den Stall geht. Und mit dem Drücken des Lichtschalters sein Arbeitstag endet.

Petra Neumaier