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Helfen, wo es brennt

Der Gröbenzeller Vorstand des Sozialdienstes und seine vielen Projekte

Über seine Reisen schreibt er stets 30 bis 40 Seiten – und dass seine Biografie inzwischen mehr als 600 Seiten umfasst, wundert nicht. Denn Winfried Bauer ist ein Mann, der nicht stillhalten kann. Der handelt, statt zuzusehen und der zusammenbringt, was zusammengehört. Das war früher in der Schule so, und ist es noch heute in der Kirchengemeinde und vor allem in seiner Eigenschaft als aktiver Vorstand im Oekumenischen Sozialdienst Gröbenzell. Besonders hier schafft er es mit seinem unwiderstehlichen Charme, im Handumdrehen Menschen so zu begeistern und zu überzeugen, wie er es selbst ist. Der Gröbenzeller ist im sozialen wie interkulturellem Bereich eben ein Tausendsassa und sein Platz ist im Haus der Rathausstraße 5.

Jeden Tag freut sich Winfried Bauer, dass der Oekumenische Sozialdienst mitten im Ort steht. Dadurch ist er ein Ort der Begegnung, in dem Jung und Alt zusammenfinden. Und ein Ort, der so lebendig ist, wie der Vorstand selbst. Wenn der 70-Jährige etwas sieht, was es zu verbessern gilt, muss er einfach etwas tun. „Denn durch meine Arbeit in der Schule und der Pfarrei habe ich ja ein gutes Netzwerk“, sagt er lapidar.

Religion und Schule: Das war vermutlich das erste, was der gebürtige „Ascheberscher“ verband. Nachdem er in Würzburg katholische Theologie studierte. Und nachdem er im „Freijahr“ vor der Priesterweihe in München seiner späteren Frau begegnete und beschloss, lieber noch Germanistik und Sozialkunde zu studieren. Um Lehrer zu werden. 13 Jahre lang war Winfried Bauer das in Gauting. Hier führte er auch die Schüler in seiner Theatergruppe mit anspruchsvoller Literatur zusammen. „Als normaler Lehrer hat man für solche Projekte noch Zeit“, schwärmt Bauer, der für die Faust- Inszenierung den Kulturpreis von Gauting bekam. Als „Lieber Gott“ stand er damals selbst auf der Bühne. Das war im selben Jahr, als er seine rote Vespa kaufte. Mit ihr rollt der „Pensionist“ noch heute durch Gröbenzell.

Ein „normaler Lehrer“ wollte Bauer aber dann doch nicht bleiben. Darum bewarb sich der dreifache Familienvater für die Rektoratsstelle des Maximilians- Gymnasiums in München. Wo es seine erste Amtshandlung war, dem damaligen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß zum Geburtstag die Hand zu schütteln – und jenen erst einmal zu verwirren: „Ich bin Ihr neuer Chef“, sagte er damals frech zu dem verdutzten Politiker. Winfried Bauer kennt eben keine Scheu, weder vor hochrangigen Persönlichkeiten noch vor Aufgaben.

Erst, als die eigenen Kinder die Schule verließen, bewarb er sich für die Schulleiterstelle in seinem Heimatort Gröbenzell, wo er seit nun 35 Jahren wohnt – aktiv wohnt. Seit 1992 organisiert der Globetrotter Reisen in der katholischen Pfarrei, die ihn und seine Begleiter auf den Spuren von Kulturen oder Heiligen in die ganze Welt führen. Außerdem singt er seit Jahrzehnten im Chor und engagierte sich zehn Jahre im Pfarrgemeinderat und auch im Dekanatsrat und Diözesanrat. Neben dem Fotografieren und Videodrehen hängt sein Herz aber nach wie vor am Theater und natürlich an seinen Projekten: wie der von ihm 2003 eingerichteten Nachmittagsbetreuung im Gymnasium Gröbenzell (wo er natürlich auch im Vorstand des Fördervereins ist), der Kleiderkammer, Projekten für Asylbewerber und vielem mehr.

Sein neuestes Anliegen ist das „Betreute Wohnen“ in Gröbenzell. Eine Art Nachbarschaftshilfe gegen Vereinsamung. Ausgebildete Helfer sollen künftig alte Menschen bei Haus- und Gartenarbeiten unterstützen. Für sich selbst hat Winfried Bauer (außer weiteren Reisen) nur ein einziges Projekt im Auge: „Alt zu werden.“

Petra Neumaier