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Lehre mit einem Lächeln

Frühmorgens auf einen Berg steigen, ihren Schulbetrieb am Laufen halten und mit dem Rucksack durch Spanien reisen: Für Monika Pfahler gehört das alles zum Leben dazu. Die Leiterin der Staatlichen Fachober- und Berufsoberschule (FOS/BOS) in Fürstenfeldbruck hat viel zu tun und Spaß dabei. Ihr Erfolgsrezept: ein gutes Miteinander und der Mut, auch mal etwas anders zu machen.

Monika Pfahler lacht gerne und viel. Und sie redet gerne, was in ihrem Beruf sehr von Vorteil ist. Als Leiterin der Staatlichen Fachober- und Berufsoberschule (FOS/BOS) in Fürstenfeldbruck hat sie seit August 2015 viel zu sagen. Der Spaß kommt dabei allerdings nie zu kurz. „Natürlich gibt es Momente, in denen ich die Rolle der Schulleiterin einnehmen muss, die vielleicht distanzierter ist und weniger lächelt. Aber die meiste Zeit kann ich viel lachen“, sagt Monika Pfahler, die in München geboren ist und seit ihrer Kindheit mit ein paar Unterbrechungen in Germering lebt. Verändert hat sich diese positive Einstellung auch nach einem Jahr am Rektorinnen-Schreibtisch nicht, im Gegenteil. Monika Pfahler fühlt sich angekommen.

Schule soll mehr sein als eine Behörde

Als „spannend, lehrreich und vor allem schön“ fasst sie ihre bisherige Zeit in Fürstenfeldbruck zusammen. Während sie nahezu ohne Vorsätze anfing, hat sie mit ihrem mehr als 100 Lehrkräfte umfassenden Kollegium mittlerweile aussichtsreiche Ansätze für die Zukunft der Schule entwickelt. Eine Kern-Idee davon ist das Konzept der doppelten Klassenführung, also der Betreuung einer Klasse durch je zwei Lehrende. Dass sowohl Lehrer als auch Schüler von einem zusätzlichen Ansprechpartner profitieren, passt genau in Monika Pfahlers Philosophie. „Meine Idee ist es, dass Schule mehr sein soll als eine Behörde. Ich will einen Lebensraum schaffen, in dem man sich gerne aufhält und auch mal die Möglichkeit hat, einen anderen als den üblichen Weg zu gehen“, sagt die 52-Jährige.

Monika Pfahler weiß, wovon sie spricht, denn den üblichen Weg ist auch sie nicht gegangen. Von der Grundschule wechselte sie zunächst aufs Gymnasium, dann auf die Realschule und zum Abitur wieder zurück. Obwohl sie von der ersten Klasse an Lehrerin werden wollte, hat sie sich aufgrund der wirtschaftlich schwierigen Situation für Lehrkräfte anschließend für eine Ausbildung zur Industriekauffrau in Seefeld entschieden. Es brauchte erst den Zuspruch einer Lehrerin an der Starnberger Berufsschule, damit sie später doch noch ihren Wunschweg einschlug: Sie studierte Wirtschaftspädagogik in München und unterrichtete nach ihrem Abschluss für knapp acht Jahre an eben jener Berufsschule, wo sie selbst den Mut gefunden hatte, das zu tun, was sie wollte.

Die Tür zum Büro steht immer offen

Auch heute unterrichtet sie noch. Allerdings in weit geringerem Maß, da der Posten der Schulleiterin viel Zeit in Anspruch nimmt. Neben Organisation und Verwaltung sieht Monika Pfahler ihre Hauptaufgabe in der Koordination aller, die am Schulleben in irgendeiner Form beteiligt sind. Reden und Zuhören sind hierbei gleichermaßen goldwert wie Empathie und Menschenkenntnis. „Ich versuche, die Gefühle meiner Mitarbeiter mitzubekommen. Wenn man die individuellen Stärken aus jemandem herausgekitzelt hat, wird das Miteinander viel einfacher“, sagt Pfahler. Neben dem professionellen steht bei ihr auch das persönliche Miteinander an oberster Stelle: Noch bevor sie morgens ihren Computer anschalte, gehe sie ins Sekretariat und begrüße jeden, den sie treffe. Zudem vertritt sie eine Offene-Tür-Politik: Steht die Tür zu ihrem Büro offen, ist jeder mit seinem Anliegen willkommen. Ist sie geschlossen, findet sich meist trotzdem eine Möglichkeit, über Anstehendes zu sprechen.

Bevor Monika Pfahler im vergangenen Jahr Schulleiterin wurde, war sie sechs Jahre lang am Staatlichen Studienseminar für Lehramt an beruf lichen Schulen für die Ausbildung von Lehrkräften zuständig. Zuvor war sie für knapp sieben Jahre Wirtschaftsreferentin am Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung, wo sie beispielsweise Lehrpläne und Prüfungen erstellte. Nach alledem kennt sie die Theorie, die Praxis ist ihr jedoch lieber. „Ich hatte auch davor Kontakt zu Menschen, doch an der Schule ist es anders. Es gefällt mir, wenn es um mich herum wuselt. Dieser Beruf lebt einfach“, sagt Pfahler, die mit ihrem eigenen lebhaften Gemüt in den wuselnden Schulalltag passt. Ambitionen, die Karriereleiter noch weiter nach oben zu erklimmen, hat sie nicht. Sie ist zufrieden mit dem, was sie tut: „Als Schulleiterin bin ich mittendrin. Etwas Schöneres kann ich mir im Moment nicht vorstellen.“

Obgleich ihre Freizeit aufgrund des Jobs oft begrenzt ist, lebt Monika Pfahler auch jenseits der Schule aktiv. Im Winter versucht sie, Zeit zum Skifahren oder Langlaufen zu finden. Wenn es warm ist, wandert sie, fährt Fahrrad oder schwimmt. Seit sie durch den Beruf wieder mehr Zeit in Fürstenfeldbruck verbringt, genießt sie es unter anderem, das Amperufer entlang zu spazieren. „Ich bin hier aufgewachsen und kann mich an etliche Radtouren in der Gegend erinnern“, sagt Pfahler. Gerne steht sie auch an freien Tagen um sechs Uhr morgens auf, um beispielsweise auf einen Berg zu steigen. Doch das muss nicht immer sein. „Ich lege genauso Ruhephasen ein, in denen ich mich einfach auf der Couch in eine Decke hülle und lese“, sagt sie.

„Ich lasse mich gerne überraschen“

Zu viel Zeit darf das Ruhen dann aber doch nicht einnehmen, denn irgendwann möchte Monika Pfahler die ganze Welt bereist haben. Als nächster Urlaub ist ein Rucksack-Trip durch Südspanien geplant. Dafür hat sie extra etwas Spanisch gelernt. Weiter in die Zukunft zu planen liege ihr nicht: „Ich lasse mich gerne auch mal vom Leben überraschen. Es gef ällt mir, nicht zu wissen, was auf mich zukommt.“ So sei es gut möglich, fügt sie lachend hinzu, dass sie sich deshalb auch für ihren jetzigen Posten beworben hat.

Valentina Finger