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„Mein Schreibtisch“

Zu Besuch bei Bürgermeister Norbert Seidl, Puchheim

Das Büro hat Norbert Seidl (52) komplett neu eingerichtet, als er 2012 ins Rathaus einzog. Schwarze Ledercouch und Sessel, Glastisch auf grauem Wuschelteppich, schwarzer, sehr aufgeräumter Schreibtisch mit Vier-Fuß-Stuhl („Ich mag keine Drehstühle“). Das Amtszimmer von Norbert Seidl wirkt wie ein schickes Wohnzimmer – „gearbeitet wird am großen Tisch nebenan“, schmunzelt der Bürgermeister von Puchheim, der ein sehr strukturierter und ordentlicher Mensch zu sein scheint. Davon zeugen auch die Müslipause Punkt 9.30 Uhr und die nach Größen sortierten Bücher auf dem Sideboard.

 

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Klein, aber sein: das Aquarium auf dem Fensterbrett links vom Schreibtisch. „Pflegeleicht“, sagt Seidl, der gerne etwas Lebendiges in seiner Nähe hat. Viel Leben ist hier allerdings nicht mehr. Ein paar Pflanzen, irgendwo versteckt sich die einzige von einst mehreren Garnelen. Wo die anderen sind, kann der Bürgermeister nur vermuten. Die Überlebende ist jedenfalls recht kräftig – Seidl tauft sie spontan „GUSTL“.

 

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Vis-a-vis vom Schreibtisch hängt ein Lieblingsstück von Norbert Seidl: das Gemälde des Fürstenfeldbrucker Malers und Karikaturisten Guido Zingerl mit dem Titel „Die willigen Vollstrecker.“ Für den Bürgermeister sind die feisten Männer eine „Mahnung daran, Grenzen zu wahren und Menschlichkeit zu praktizieren.“

 

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In der niedrigen Vitrine, zwischen Bierkrügen, Lebkuchen, Schnaps und Wimpeln, winkt und grinst die asiatische Glücks-Katze durch die Glasscheibe. Ein Überbleibsel des „Glückspakets“, das Norbert Seidl 2013 zum 50. Geburtstag von der Volkshochschule geschenkt bekam. „Kommen Schulkinder in mein Büro, ist sie neben dem Aquarium und dem iPad die Attraktion!“ sagt Seidl.

 

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Auf der langen Fensterbank steht das glänzend silberne Modell der Plastik „Metaphysik“ des bayerischen Bildhauers HEX – das große Original in mattem Rost ziert den Kreisel der Stadt an der Lochhauser Straße. Was es bedeutet? „Gute Frage“, kontert Seidl. Da der Platz auf der Fensterbank aber eh wechselnden Kleinoden vorbehalten ist (während des Volksfestes steht hier zum Beispiel ein Bierkrug), bleibt die „Metaphysik“ einfach nur ein hübsches Fragezeichen.

 

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Vier einfache und doch faszinierende Strichzeichnungen des Künstlers Tim Wolff (ehemaliger Puchheimer) zieren die Wand hinter dem Schreibtisch: Die „Hundehütte“, das „Nachtlager“, den „Clochard“ und das „Ohne Titel“ kann man sehen. Muss man aber nicht. Norbert Seidl sieht jedenfalls anderes: Zum Beispiel einen afghanischen Flüchtling. Oder die Urbanität einer Stadt, die er ja so in Puchheim liebt. Genauso wie die Reduzierung auf das Wesentliche. „Ich mag es schlicht“, sagt er.