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Die Ratschkathl’n von Olching

HAM‘ S SCHO G‘HÖRT … ?

Ingrid Klameth und Petra Huber gehören mit ihrem Tratsch zum festen Bestandteil vieler Veranstaltungen

Einfach fürchterlich, diese Ratschweiber. Schlurfen daher in ihren Altweiberkleidern und bekommen kaum Luft vor lauter Lästern über dieses und jenes, was die Schwägerin vom Nachbarn seiner Tochter, deren Onkel mütterlicherseits gesagt oder getan hat … Und einfach nur urkomisch ist das! Denn wenn sich die beiden Originale über alltägliche Dinge im Allgemeinen und über Kommunalpolitiker oder andere Personen im Besonderen aufregen, dann bleibt kein Auge vor Lachen trocken. Petra Huber (52) und Ingrid Klameth (56) sind die Ratschkathl’n aus Olching. Mal als Hausfrauen, mal als Obdachlose oder sogar vermeintliche Stripperinnen getarnt, sorgen sie auf privaten und öffentlichen Bühnen für Verwirrung und Stimmung. Ihr Platz ist aber vor allem die Volksbühne Olching, die 2016 ihren 90. Geburtstag feiern konnte.

Seit 30 Jahren ist Petra Huber, Versicherungskauffrau („ein gaaaanz trockener Beruf – da brauch ich einen Ausgleich“), hier zu sehen. Theater hat sie schon immer gerne gespielt – als Kind war sie mal das Dornröschen und seitdem lässt sie die Bühne nicht mehr los. „Es macht mir Spaß, vor Publikum etwas vorzutragen und in andere Rollen zu schlüpfen“, lacht die Neu-Estingerin fröhlich. Außerdem kann sie ja auch gar nichts für ihre Leidenschaft: Schon der Großvater und der Onkel standen im Saal des heutigen Cantina auf der Volksbühne.

Hier traf sie auch Ingrid Klameth. Zwei Jahre zuvor war die Metzgereifachverkäuferin in Mammendorf zur Volksbühne gekommen. Erst spielte sie hier kleine, dann große Rollen, um schließlich doch recht schnell den Regieweg einzuschlagen. „Das ist meins“, sagt sie begeistert. Genauso wie die Ratschkathl’n, „die sind ein guter Ausgleich“. Entstanden sind die Figuren, als vor fast 20 Jahren ein Bekannter, einen Tag vor Karfreitag, seinen 50. Geburtstag feierte und sie ihm „etwas Besonderes“ schenken wollte. Unangekündigt tauchte Ingrid Klameth um 23 Uhr mit ihrer Schauspielkollegin Edith Dierl als Putzfrauen bei der Feier im Pfarrsaal auf. Ingrid Klameth lacht schallend: „Ich werde nie sein Gesicht vergessen, weil er dachte, dass der Pfarrer, der gegen die Feier war, das Reinigungspersonal geschickt hatte, um ihn quasi rauszuwerfen“.

Die Ratschweiber – seit über 15 Jahren ist die „dicke“ Freundin Petra Huber mit von der Partie – sind eben authentisch. Da passiert es auch schon einmal, dass sie des Lokals verwiesen werden, wenn sie per Auftrag als Obdachlose auftreten sollen. Bei vielen Veranstaltungen gehören die herrlich lästernden Frauen inzwischen sogar zum festen Programmpunkt. Wie seit über 15 Jahren beim Starkbierfest in Olching. Hier auch wieder am 11. März. Bis auf diese Veranstaltung schreiben Ingrid Klameth und Petra Huber die Texte selbst. Stichworte genügen ihnen. Beim Einstudieren, meist erst am Vortag, und beim Auftritt selbst, halten sie sich dann genau an den Text – auch wenn alles sehr spontan wirkt. „Ich bin ein Perfektionist – ein Patzer geht bei mir gar nicht“, sagt Ingrid Klameth ernst, die seit einigen Jahren auch Theaterstücke schreibt, die in ganz Deutschland gespielt werden.

Im wirklichen Leben bezeichnen sich die beiden Frauen als alles andere als Ratschkathl’n. „Ich beobachte nur sehr gerne Leute und höre ihnen zu“, erzählt Petra Huber und auch ihre Kollegin und Freundin versichert: „Ich war noch nie ein Lästermaul – das ist alles nur ein Spiel.“

Petra Neumaier