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Gitarrensound beim Räuber Kneißl

Im Museumskeller des Maisacher Bräustüberls treffen sich Weltklassemusiker und Kabarettisten

Mit der Serviette drehen ein paar Gäste die Glühbirnen aus der Fassung. Sanft ist jetzt das Licht in dem kleinen Kellersaal, hell das auf der winzigen Bühne, wo gleich der australische Akustik-Gitarrist Michael Fix auftreten wird. Die Teller sind leergekratzt, die Gläser noch ausreichend gefüllt – wenn er anfängt zu spielen, greift sowieso keiner mehr danach. Dann sind die Blicke gebannt auf den Musiker gerichtet, dann wippen die Füße, zucken die Finger im Rhythmus der Musik oder zupfen über unsichtbare Saiten. Wie erlöst pfeifen am Ende die Lippen und klatschen die Hände, dass die Räuber Kneißl-Puppe zittert und das Schafott wackelt. Denn die außergewöhnlichen Konzerte der weltweit besten Gitarristen („Beer & Guitar“) sowie auch die Kabarett-Programme („Kabierett“) finden im Museumskeller des Maisacher Bräustüberls statt.

2006 hat hier alles mit dem ehemaligen Brauereichef Benno Wieser, einem passionierten Gitarrenliebhaber, angefangen. Von ihm stammen auch die Kontakte, von denen Hans-Dieter Scherer (bekannt als „HD“), der im Laufe der Jahre mehr und mehr die Organisation, Werbung und Durchführung übernahm, profitiert. Zwar dauerte es ein paar Jahre, bis die Veranstaltung ihr Nischendasein verließ. Doch längst ist „Beer & Guitar“ ein Selbstläufer, der sich nicht mehr groß um die besten Meister ihres Faches bemühen muss und dem das fach- und genusskundige Publikum oft den Keller einrennt: „Teilweise könnten wir weit mehr Karten verkaufen, als die 100 Plätze, die wir hier im Keller haben“, erklärt HD Scherer.

Kaum ein Tag vergeht, an dem sich bei ihm nicht Gitarristen um ein Konzert in Maisach bewerben. „Ich kann gar nicht alle Demo-CDs anhören“, stöhnt er ein bisschen und ist darüber doch stolz. Denn in ganz Bayern gibt es bis auf eine Bühne in Bad Reichenhall keine anderen, auf der Gitarristen ihre Kunst live und vor einem wirklich zuhörenden Publikum präsentieren können. Ansonsten spielt sich die Szene in Norddeutschland ab. „Vom Erfolg her ist Maisach mit Sicherheit die Nummer 1 in Bayern“, stellt der Mediengestalter fest.

Die internationalen Künstler, die von Australien über Kanada, aus den USA, Spanien und Schottland anreisen, kommen gerne nach Maisach. Sie genießen nicht nur das gute Essen, sondern auch das Publikum. „Uns geht es nicht ums Verdienen“, sagt der Organisator. Bei einem Eintritt von 16 Euro sei das nicht möglich, obwohl der Wirt dankenswerterweise die GEMA-Gebühren übernehme. „Wir machen das aus Spaß an der Musik und Kunst.“

Petra Neumaier


BRÄUSTÜBERL

www.beer-and-guitar.com

www.kabierett.com