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Reise zum Mittelpunkt

Der neue „Kleine Stachus“ ist der Ruhepol der lebhaften Stadt

Fröhlich plätschert der Brunnen, nahezu ungestört vom Brummen der anfahrenden Autos. Tatsächlich ist es zu dieser Mittagsstunde recht ruhig auf dem Platz. Die Ampeln an den fünf hier einmündenden Straßen lassen sich Zeit, gönnen kleine Atempausen, in denen für ein paar Sekunden Stille am „Kleinen Stachus“ einkehrt. Dann scheinen selbst die gelb-rotweißen Häuser dem Plätschern des Brunnens zu lauschen. Und der aufgeregten Unterhaltung der beiden Frauen, die sich zufällig am Fahrradständer begegnen. Mütter mit Kindern schlendern vorbei. Vor allem die Kinder genießen den freien Raum, den sie mit Nachlaufen nutzen. Er lebt, der „Kleine Stachus“ inmitten von Germering. Und er wird belebt.

Geografisch zwar nicht ganz, aber gefühlt liegt er im Herzen der Stadt. Vor allem, seit der Platz nach den fast sieben Monaten Umbauarbeiten Ende Oktober vergangenen Jahres fertiggestellt wurde. Weniger Autos, mehr Menschen war das Ziel der Neugestaltung und zumindest in der wärmeren Jahreszeit ist das auch gelungen. Dafür mitverantwortlich ist das zentral gelegene, schöne Lokal „Enoteca del Tufo“, das mit seiner Außenbestuhlung von Frühling bis Herbst zum Verweilen einlädt. Sobald die Sonne scheint, ruhen sich auch auf den Ringen um die noch wenig Schatten spendenden jungen Bäume müde Bürger aus. Jetzt, bei den schon winterlichen Temperaturen, sind die Sitzgelegenheiten allerdings verwaist.

Obwohl täglich rund 12 000 Fahrzeuge den Dreh- und Angelpunkt der Stadt passieren, ist es hier fast gemütlich geworden. Große Schaufenster locken in die Geschäfte, attraktive Angebote zum Kauf. Das Aufatmen der Inhaber ist förmlich zu spüren. Lange mussten sie mit Umsatzeinbußen während der Bauzeit jonglieren, jetzt kehren die Käufer zurück. Doch nicht nur der Platz selbst verführt zum Shoppen. Es sind auch die Geschäfte in der Unteren Bahnhofstraße und der alleeartig begrünten Otto-Wagner-Straße, die mit ihrer vielfältigen und ausgezeichneten Ware anziehen. Wer da noch meint, in die Landeshauptstadt zum großen Original „Stachus“ fahren zu müssen, ist selbst dran schuld.

Petra Neumaier