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Sie haben es allen gezeigt

Die Faschingsfreunde Fürstenfeldbruck feiern ihr 33-jähriges Jubiläum

Drei Monate. Maximal. Mehr hatte ihnen keiner gegeben. Damals, als sich eine Handvoll Mitglieder der Heimatgilde zusammensetzte und beschloss, eine eigene Faschingsgruppe zu gründen. „Aber wir haben es allen gezeigt“, freut sich heute Vorstand Jürgen Völkl. Zusammen mit Mitgliedern der Faschingsfreunde Fürstenfeldbruck feierte er im Herbst das 33-jährige Jubiläum bei einer Schiffsfahrt über den Ammersee. Besonders freut sich der Verein, dass es im Jubiläumsjahr das offizielle Prinzenpaar der Stadt Fürstenfeldbruck stellen darf.

Eine schon länger vorhandene Uneinigkeit mit der Vorstandschaft führte im Sommer 1983 zur Absplitterung. Wer, warum und wieso, das ist auch für Manfred Leitl inzwischen unwichtig. Damals war der Bäcker Mitglied bei der Heimatgilde und Mitbegründer der Faschingsfreunde und des später ins Leben gerufenen Fördervereins. „Wir haben gebuckelt wie blöd“, erinnert er sich an den ersten Fasching nach der unschönen Trennung. Doch längst stehen sich beide Vereine wieder freundschaftlich gegenüber. Und seit vielen Jahren teilen sie sich die Ehre, die offiziellen Faschingsoberhäupter zu stellen. Im Allgemeinen gibt es keine Konkurrenz bei den Bällen und Shows. „Jeder hat seinen Platz gefunden“, sagt Pressesprecherin Anja Völkl.

Dass es in 33 Jahren nur drei Präsidenten gab (der letzte, Peter Weber, führte die rund 200 Mitglieder 21 Jahre lang), beweist für seinen Nachfolger Jürgen Völkl Beständigkeit und solide Vereinsarbeit. 132 Bälle wurden in dieser Zeit von rund 50 000 Gästen besucht. Außerdem wurden 30 Bälle „der lachenden Herzen“, der Wohltätigkeits-Veranstaltung für Menschen mit Behinderungen, durchgeführt. Etwa 2000 Mal traten die Garden auf, alleine 53 Mal im Deutschen Theater. Außerdem organisierte der Verein 23 Faschingszüge in Fürstenfeldbruck – bis Aufwand und Kosten ab dem Fasching 2013 nicht mehr durch die Stadt Fürstenfeldbruck unterstütz wurden und für die ehrenamtlichen Mitglieder allein nicht mehr zu stemmen waren. Immer weniger Gruppen gingen in fantasievollen Kostümen mit und immer weniger Zuschauer waren vor Ort. Da zog die Stadt Fürstenfeldbruck die Reißleine.

Knochenarbeit sind vor allem die Shows für die Garde. Noch während der laufenden Saison werden die Pläne für das neue Programm geschmiedet. Und kaum zwei Wochen nach dem letzten Faschingsauftritt, geht das Training schon wieder los. Seit zwei Jahren wird die Truppe von Tanzprofi und Let’s Dance-Trainerin Tanja Kuschill betreut. Zweimal in der Woche wird mehrere Stunden lang trainiert, was sie choreografierte. Hat die Tanzlehrerin aus Königsbrunn keine Zeit, behelfen sich die Tänzer mit Videoaufnahmen vom vergangenen Training.

Der Ehrgeiz ist bei allen groß. Außerdem steigen die Ansprüche des Publikums: Ein Showprogramm reicht nicht mehr aus, um zu fesseln. Darum gilt zunehmend: je mehr Akrobatik, desto besser. Eine Herausforderung vor allem für das Prinzenpaar, das bei der prominenten Tanztrainerin Extrastunden bekommt.

In diesem Jahr sind es Samia I. (Hanisch) und Denis I. (Peschek). Die 24-jährige Bankangestellte aus Mittelstetten und der 26-jährige Kfz-Mechatroniker aus Fürstenfeldbruck sind beide seit 2007 im Verein. Und seitdem träumen sie auch von ihrem großen Auftritt. „Prinz und Prinzessin“, sagen sie mit strahlenden Augen, „will doch jeder einmal werden.“ Denn „das ist der Höhepunkt“, ergänzt der Prinz. Das Tanzen ist sein „Ein und Alles“, weshalb er auch in seiner Performance „perfekt“ sein möchte und dafür hart trainiert. Genauso wie seine Prinzessin, „inklusive unglaublichem Muskelkater“, stöhnt Samia Hanisch. Bei rund 50 Auftritten pro Saison (inklusive weiteren Veranstaltungen übers ganze Jahr) geht da schon hin und wieder die Puste aus. Die größte Schwierigkeit haben die beiden aber jetzt hinter sich: das Schweigen. Denn bis zur Gala im November durfte außer der Vorstandschaft und der Garde niemand wissen, wer das Prinzenpaar ist. „Jetzt kann es endlich richtig losgehen“, sagen sie von dem Bann erlöst.

Petra Neumaier


Infokasten:

Die Faschingsfreunde Fürstenfeldbruck haben neben der Kinder-, Nachwuchs- und Teenieshowtanzgruppe und der großen Showtanzgruppe auch noch die Can-Can Gruppe „Les Cancannettes“. Alle können auch zu Feierlichkeiten außerhalb des Faschings gebucht werden.
Auch freuen sie sich über Unterstützung, ob als Tänzer, Techniker oder hinter den Kulissen. Mehr Informationen gibt es auf der Facebookseite der Faschingsfreunde oder unter faschingsfreunde.ffb.org